Meine Website BLOG

ständige Begleiter

Schuldgefühle

... Die Schuld ist für viele von uns Menschen Kult...


Wer kennt sie nicht - die unangebrachten Schuldgefühle, die sich sofort bemerkbar machen, wenn wir „nach unseren Vorstellungen von uns selbst“ etwas falsch gemacht haben.
„Dieses selbst konstruierte Abbild über Gut und Böse“ hat sich im Laufe der Zeit - mit der Erziehung unserer Bezugspersonen, aufgrund Lehrpersonen in der Schule und aufgrund Erfahrungen mit unseren Freunden ect... entwickelt.

Können Sie sich noch an die ein oder andere Aussage erinnern:

Brave Kinder lügen nicht, räumen immer ihr Zimmer auf, sind nie sauer und unterbrechen Erwachsene nicht während diese sprechen.“
„Für Kinder, die nicht DANKE sagen, muss man sich schämen.“
„Das ist nun der Dank - wir haben soviel für dich getan - und du benimmst dich so unmöglich.“
„Mama ist ganz traurig, wenn du ihr jetzt keinen Kuss gibst.“
„Du bist nicht mehr unser kleiner Schatz, wenn du das und das jetzt nicht machst.“

Kinder sind einzigartig, wenn es darum geht, was deren Bezugspersonen von ihnen wollen. Für sie kommt es so an: „Nur wenn du genau das machst, was ich dir sage bzw. wenn du meinen Wünschen und Vorstellungen entsprichst, liebe ich dich“. Es muss nicht einmal verbal kommuniziert worden sein - Blicke reichen völlig aus. Und da das Kind über die sog. MARSISCHE DENKWEISE verfügt, und sofort kapiert, was es zu tun hat, um geliebt zu werden, macht es genau das. Damit sich nun Schuldgefühle daraus entwickeln, spielt die weitere Erfahrung bzw. der Umgang damit eine entscheidende Rolle. Wenn die Kinder also weiterhin die Erfahrung machen, dass man sich immer konform und richtig zu verhalten hat (Schule, Vereine, Freunde...), weil man so zum Erfolg kommt, so wird der innere Richter mit steigendem Alter immer perfektionistischer und strenger, bis man sich schließlich für jedes Verhalten, das man an den Tag legt, schlecht fühlt, weil man diesem konstruierten perfekten Bild, das man sich in seinen Vorstellungen aufgebaut hat, nicht gerecht werden kann. Dafür sind wir Menschen einfach nicht bestimmt!

Ohne dabei einen Vorwurf an die Eltern zu machen - diese meinen es wirklich nur gut mit deren Kindern, da sie diese zu verantwortungsvollen Menschen erziehen wollen, die einen festen Platz in der Gesellschaft haben.


...Das hätte ich nicht tun dürfen... WER SAGT DAS EIGENTLICH?
...Warum hab ich das bloß gesagt... WARUM EIGENTLICH NICHT?
...Dieser Fehler hätte mir nicht passieren dürfen...
OHNE FEHLER LERNT MAN NICHT!
...Ich sollte mehr auf gesunde Ernährung achten... ES IST NIE ZU SPÄT
...Ich hätte mich mehr um ihn kümmern müssen...
WÄRE ES MÖGLICH GEWESEN?
...Ich hätte auf meine Mutter hören sollen...
DAS KANNST DU IMMER NOCH!

UND WEIL ICH DAS GEMACHT / NICHT GEMACHT HABE, bin ich ein schlechter Mensch.

Wie man an den violett eingefärbten Gegenfragen erkennen kann, ist es also schlussendlich so, dass unsere Schuldgefühle durch unsere Gedanken-gewohnheiten entstehen. Sie sind eine Folge der Bewertungen, die wir treffen.

Wir verlangen von uns, dass wir in die Zukunft schauen können. Wir verurteilen nicht nur unser Verhalten, wir verachten uns als Mensch. Manchmal haben wir keinen Einfluss darauf, was passieren wird.

Besonders anfällig für Schuldgefühle sind Perfektionisten, Personen mit wenig Selbstvertrauen, Menschen die die Verantwortung nur so an sich reißen und hoch sensible Personen.

Sehr oft werde ich gefragt, ob Schuldgefühle nicht auch Sinn machen bzw. ob Menschen, die keine Schuldgefühle haben „schlechte“ Menschen sind. Schuldgefühle müssen nicht sein! Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man zwischen Reue und Schuldgefühl unterscheiden muss. Wenn man sich „falsch“ verhalten hat, sollte man sich fragen, warum man das gemacht hat bzw. ob es in dieser Situation überhaupt möglich gewesen wäre, anders zu handeln. Im Nachhinein ist unser innerer Richter immer klüger.
Mentale Techniken können dabei helfen, dem Gedankenkarussel, das Schuldgefühle so mit sich bringen, ein Ende zu setzen. Man sollte unbedingt einen Gedankenstopp für sich finden, und konstruktiv mit der „Schuld“ umgehen. Man kann sich immer entschuldigen, kann etwas daraus gelernt haben und und und... aber es ist nicht notwendig, sich selbst zu verurteilen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier wieder um eine hohe Macht - die Macht unserer Gedanken!!! Wir haben es selbst in der Hand!!!


Gedankenspirale

Sie besucht uns fast jeden Tag, kommt erst spät und hat keinen Respekt vor uns:
die negative Gedankenspirale...

„Herum geht unser Tanz der Fragen im Kreis,
und in der Mitte sitzt das Geheimnis, das alles weiß“
(Robert Frost, 1943)


Ein sehr wahres Zitat - wie ich finde. Wir Menschen sind doch wirklich dazu geneigt, oft an der falschen Stelle und im falschen Zeitpunkt nach den „für uns richtigen Antworten“ zu suchen.



„Soll ich nach links oder nach rechts gehen? Welcher ist für mich mein richtiger Weg? Es muss den einen und richtigen Weg auch für mich geben. Bei anderen klappt es doch auch. Aber wenn ich mich für das eine entscheide, könnte das die falsche Entscheidung sein, und falls ich mich für das andere entscheide, könnte auch das schief gehen. Was soll ich bloß tun? Wenn ich ein anderes Leben hätte, dann wäre alles einfacher. Vielleicht lass ich einfach alles. Ich lasse einfach alles so wie es ist - dann wird es schon irgendwann alles gut werden.
...ABER ich
muss voran kommen. Ich muss es allen beweisen. Ich muss jetzt endlich mal entscheiden. Das gibt es doch nicht, ich werd doch nicht echt so doof sein - andere können sich doch auch entscheiden. Aber eh klar - ich wieder nicht. Ich schaff einfach nichts. Eigentlich ist es eh nicht schlecht, wie es momentan ist. Ich bleib dabei...
...“

Ein sehr kurzes, aber ausgesprochen gutes Beispiel für den Beginn einer nicht zu enden wollenden Gedankenspirale, die sich meist nachts - wenn wir zur Ruhe kommen - einschleicht, und uns einfach nicht einschlafen lässt. In diesem Beispiel finden sich viele versteckte Bosheiten uns selbst gegenüber, unter anderem:

  • Das Ganze beginnt mit der gemeinen Frage: LINKS oder RECHTS, die uns schon wieder zwingt, nicht über den Tellerrand hinaus zu schauen. Aber gibt es wirklich nur diese beiden Optionen oder ist es vielmehr das, was es nur in unserem selbstkonstruierten Abbild der Welt für uns gibt?
  • Die negative Formulierung, die wir Menschen automatisch - aus Gewohnheit - gebrauchen, verstärkt unsere Unentschlossenheit nur noch mehr.
  • Dann kommt natürlich noch die Opferrolle dazu, und schwups di wupps VERGLEICHEN wir uns schon wieder mit allen anderen - und natürlich ziehen wir dabei den Kürzeren.

Warum diese Gedanken immer nachts kommen, hat bestimmt u.a. auch damit zu tun, dass wir den lieben langen Tag FUNKTIONIEREN - wir arbeiten, wir schmieden geniale Pläne, wir versorgen unsere Kinder, gehen ins Fitnessstudio oder haben uns um Verwandte gekümmert - Manchmal haben wir uns vielleicht sogar wie Marionetten unserer Gesellschaft verhalten, damit wir es jeden Recht machen, und haben sogar Gefallen daran gefunden. Wenn mal eine freie Minute Zeit war, haben wir bestimmt für Ablenkung gesorgt. Seien wir doch ehrlich - Irgendetwas finden wir doch immer, um uns nicht mit unserem SELBST auseinanderzusetzen. Und dann aber, am Abend, wenn es draußen dunkel wird, alle schlafen und man sich in sein gemütliches Bett begibt, dann wäre eigentlich die Zeit für unser SELBST. Aber anstatt liebevoll, friedlich und dankbar mit sich umzugehen (das haben wir leider verlernt), benutzen wir schon wieder unsere erlernten Muster (wir rügen uns, wir beschuldigen, wir negieren vieles was wir tun....) oder schmieden geniale Pläne für die Zukunft.

...Ich finde es immer wieder faszinierend, was unsere Gedanken so mit uns machen...

Es wäre sehr schön, wenn wir manchmal untertags inne halten würden, und auf unsere Gefühle hören würden - Negative Gefühle sind nicht immer gleich negativ. Sie wollen einfach nur gehört werden, sie zeigen uns meist, wie wir intuitiv oder nach unserem Bauchgefühl heraus handeln WOLLEN - eben, was uns gut tun würde. Leider hören wir aber nicht darauf, da unser Hauptaugenmerk darauf ausgerichtet ist, nur dieses negative Gefühl los zu werden - und schon macht man sich wieder an die erlernten Muster oder greift nach einer Maske...
Dabei wären sie uns ein sehr treuer Helfer in unseren Entscheidungen. Wir verdrängen also ständig - auch untertags - die Gefühle unseres SELBST - Tja, und dann fürchten wir uns wieder vor der Nacht...